DEI-Konferenz

01.03.2017

„Landscape Archaeology“ oder „Landschaftsarchäologie“ versucht Kultur durch ihren Einfluss auf die sie umgebende Landschaft besser zu verstehen. D. h. sie beschäftigt sich mit der komplexen Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, entwickelt theoretische Konzepte zu räumlichen Strukturen und Prozessen im Blick auf Natur- und Kulturlandschaftsentwicklungen, aber auch Siedlungsentwicklung. Dabei ist es essentiell, dass eine Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, wie der Geographie, Geologie, Klimaforschung, Biologie und Zoologie, aber auch Geschichte und Informatik stattfindet. Kurz gesagt geht es darum, zu verstehen, welchen Einfluss der Mensch auf seine Umwelt genommen hat, aber auch, wie sich die Menschen an veränderte Umweltbedingungen angepasst haben. Diese Herangehensweise kann Einblicke in vergangene Kulturen liefern, die über die materiellen Hinterlassenschaften hinausgehen, z. B. in Bezug auf Landwirtschaft, Handel, Kriegsführung, aber auch Religion. Es gibt viele unbeantwortete Fragen, denen mit Hilfe dieser Methode nachgegangen werden kann, z. B. was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinander treffen (z. B. die Philister und die Israeliten oder die Aramäer und die Israeliten)? Wie haben neue Wassertechnologien der Römer die Nutzung des Landes verändert? Wie ändert sich die Landnutzung, wenn eine Kultur von einer anderen abgelöst wird oder es zu einer neuen Herrschaft kommt?

Am 01. und 02. März richtete das DEI gemeinsam mit dem Archäologie Department der Hebräischen Universität eine Konferenz zum Thema Landschaftsarchäologie aus. Die beiden Institutionen sind Nachbarn in Jerusalem und haben unabhängig voneinander in den letzten Jahren im Bereich der Landschaftsarchäologie geforscht (das DEI in Jordanien und die HUJI im Golan) und bei der letzten Konferenz des DEI im Jahr 2015 dies gemeinsame Interesse entdeckt. Außerdem möchten beide Institutionen die deutsch-israelischen Kooperationen im Bereich der Archäologie stärken und neue Netzwerke schaffen.

Die jetzige – großzügig von der Fritz Thyssen Stiftung und der Hebräischen Universität finanzierte – Konferenz fand in den Räumen der Hebräischen Universität auf dem Mt. Skopus statt. Landschaftsarchäologie ist ein neues und sich rasant entwickelndes Feld in der Archäologie – in Europa wird es schon eine Weile betrieben und ist fest etabliert, aber im Mittleren und Nahen Osten steckt sie noch in den Kinderschuhen, sodass diese Konferenz die erste in Israel und dem Nahen Osten war, die sich diesem Thema verschrieben hatte.

Die fast 50 Teilnehmer der Konferenz bestanden aus einer international gemischten Gruppe von Israelis, Deutschen, aber auch Gästen aus Schottland, den USA und der Türkei. Besonders gelungen war eine Mischung der Redner aus Veteranen des Feldes, aber auch Studenten, die gerade ihre Master-Arbeit schrieben, Wissenschaftlern von Universitäten, aber auch der Altertumsbehörde. Es gab sechs Gruppen, die sich mit den Oberthemen kultische, ökologische und agroökonomische Landschaften sowie GIS, OSL Datierung und allgemeiner Theorie beschäftigen.

Die Vorträge umfassten geographisch, zeitlich wie methodisch ein weites Spektrum: Von steinzeitlichen Funden in Dänemark, über Oberflächenuntersuchungen in Jordanien, Terrassierungen in der Umgebung von Jerusalem, römische Straßen in Galiläa,  byzantinische Klöster im Negev, bis hin zu zionistischer Fotographie. Zusätzlich gab es einen Workshop zum Thema WorldMap. Einige der Vorträge werden im Laufe des Jahre in der Zeitschrift „Journal of Landscape Ecology” veröffentlicht werden.

Ziele der Konferenz waren es, Aufmerksamkeit für diesen Zweig der Archäologie zu schaffen und den bereits in diesem Bereich Forschenden ein Forum zu geben, ihre Arbeit vorzustellen und mit anderen Wissenschaftlern zu diskutieren.

Nun ist es immer eine schöne Sache, sich auf einer Konferenz zu treffen und auszutauschen, doch folgen daraus meist keine weiteren Kooperationen. Damit dies passiert, will ein Großteil der Teilnehmen in dem nächsten Jahr eine „Society for Landscape Archaeology in the Levant“ ins Leben rufen und so ein Netzwerk schaffen und eine Basis für zukünftige Projekte. Bisher ist schon eine Facebook Gruppe unter gleichem Namen entstanden, dieser beizutreten alle Interessierten herzlich eingeladen sind. 

Von Katja Soennecken

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